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Konfrontiert mit dem Namen Nico, Christa Päffgen, wird in Insiderkreisen vordergründig das singende Model Velvet Undergrounds bzw. die Mondgöttin aus Andy Warhols Factory assoziiert, an Lou Reeds düstere Hymnen wie All Tomorows Parties erinnert. Nur wenige kennen Nicos schmales Solo-werk, von John Cale produziert und in ein, den 60er und 70er Jahren entsprechendes, experimentelles bis psychedelisches Gewand gebracht, in den 80er Jahren im Stil des New Waves aufbereitet.

Die kinderliederähnlichen, überwiegend melancholischen Melodien, intuitiv komponiert und Vehikel für existentialistisch anmutende und gleichsam auf das notwendige Wortmaterial einer Aussage reduzierte Texte, lassen auch andere Interpretationen zu. Das Künstlerduo "MARBLE INDEX" hat sich dieser Songs angenommen. Seine Auseinandersetzung ist sowohl als Hommage an Nico zu verstehen als auch als Versuch, die ihren Songs inhärenten, archaisch anmutenden Elemente in ihrer Einzig-artigkeit und Zeitlosigkeit freizulegen.

 
So werden die Songs, und damit Nico selbst, aus dem Popkontext herausgelöst, es entstehen Klänge, klassisch bis folkloristisch, die keinem bestimmten Ursprung folgen. Die Instrumentierung ist bewusst einfach gehalten, auf Einspielungen, elektronische Elemente oder weitere Musiker verzichtet worden. Jutta Steiwers beschwörender Gesang und die spanische Gitarre Nolle Woidas erzeugen ein unglaublich dichtes Klangbild, angefüllt mit Spannung und Dynamik, ohne große Lautstärken und in zum Teil derartig gemäßigtem Tempo, dass eine in Trance versetzende Zeitdehnung entsteht. Das Spiel von "MARBLE INDEX" gleicht einem Drama, in dem Gitarre und Gesang in einen Dialog über die schmerzhaften Zustände des Seins verschmelzen.